Informationen zur Evang. Kirche

Evangelische Kirche Bad Buchau am Federsee 1894-1994


Von den Anfängen vor hundert (und mehr) Jahren bis heute


„Evangelische Christen waren schon zur Reformationszeit in Oberschwaben anzutreffen" schreibt Pfarrer i. R. Helmut Arbter, Bad Buchau, im Federseeboten Nr.108/1985. Der evangelische Prediger Johannes Zwick (geb. 1496 in Konstanz, gestorben 1542 an der Pest in Bischofszell im Thurgau), war von 1522-1525 als erster verheirateter Pfarrer in Riedlingen bis zu seiner Vertreibung aus der Stadt. Als Bahnbrecher des Kirchenliedes ist er später durch das erste Konstanzer Gesangbuch (gedruckt in Zürich) bekannt geworden. Bis heute sind von ihm fünf Lieder im Evangelischen Kirchengesangbuch vertreten. Aber auch die Ordnung der ehemaligen Freien Reichsstadt Biberach bezeugte reformatorische Präsenz. Im Zuge der Gegenreformation wurden die Evangelischen aber vertrieben oder zum katholischen Glauben gezwungen. In Stadt und Stift Buchau und ihren Dörfern wurden Evangelische nicht mehr geduldet bis 1806.


1803 kamen Stift und Stadt Buchau an den Fürsten von Thurn und Taxis(Reichsdeputationshauptschluß) und 1806 unter württembergische Oberhoheit. Das im Zusammenhang mit dem Machtwechsel erlassene Religionsedikt brachte dem Federseegebiet und ganz Oberschwaben die Religionsfreiheit. Evangelische Handwerker, Beamte und Gewerbetreibende kamen nach Buchau. Sie mussten zunächst ihre kirchliche Versorgung in der altwürttembergischen Gemeinde Pflummern suchen (1829 war Eduard Mörike dort Pfarrverweser). Um 1850 wurde eine Pfarrverweserei Schussenried errichtet. Die Buchauer Evangelischen zählten jetzt dorthin - 50 Erwachsene und 6 Kinder." (soweit H. Arbter) Wie es schliesslich zum Kirchenbau kam, dazu lassen wir eine hundertjährige Urkunde sprechen, die unter der Altarstufe eingemauert war und bei der Renovierung 1973 wieder zutage trat, um nach Anfertigung einer Abschrift erneut eingemauert zu werden, wo sie bis heute liegt.


ABSCHRIFT der von Pfarrer Zeller 1894 handschriftlich vefaßten Pergamenturkunde im Grundstein.

Königreich Württemberg

Donaukreis Oberamt Riedlingen
Stadt Buchau am Federsee

Urkunde
über die hier erbaute evangelische Kirche


Im Jahre des Heils eintausendachthundertneunzigundvier -1894- wurde zur Ehre Gottes von der evangelischen Kirchengemeinde dahier dies Gotteshaus für die Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi erbaut und am heutigen Tag, Mittwoch nach dem 17. Sonntag post trinitatis, den 19. September, wenige Tage vor der Vollendung der Kirche, diese Urkunde unter dem Altar der Kirche unter Gebet feierlich niedergelegt und eingemauert.

Kurze Geschichte der evangelischen Gemeinde und des Kirchbaus.


I.
In der Stadt Buchau, welche zur Zeit 2 276 Gesamteinwohner hat, besteht eine ev. Gemeinde seit 1851. In diesem Jahr war die evangelische Pfarrei Schussenried des Dekanats Biberach gegründet und Buchau als Filialgemeinde der Parochie eingegliedert worden. Die ev. Gemeinde, zu welcher die zerstreuten Evangelischen von Kappel, Kanzach, Dürnau, Moosburg, Oggelshausen und Tiefenbach gehören, vereinigt in sich 114 Seelen. Ursprünglich wurde nur 11 Mal im Jahr von Schussenried aus Gottesdienst gehalten. Zur Zeit findet alle 14 Tage Gottesdienst statt und wird 4 Mal im Jahr die heilige Communion gefeiert. Die Geistlichen, welche von Schussenried aus die Gemeinde pastoriert haben, sind

1. Pfarrverweser: +Kirchberger, Traub, Hermann, +Schaal, +Leuze, Harther, Berg, Kirchhofer, Baumann, +Schelling, Henniger, Seuffer, Herwig, Zeller, Kirn.

2. Pfarrer: Wolfgang Zeller, und dessen Amtsgehilfe, Parochialvikar Rudolf Zeller.

Die Gottesdienste wurden anfangs in einem der ev. Gemeinde eingeräumten Saal des Fürstlich Thurn- und Taxis'schen Schlosses gehalten; dann war eine Zeit lang in Kappel auf dem Maierhof von Stützle ein Lokal gemietet und später in einem Hintergebäude des Schlosses ein Betsaal eingerichtet worden. Allein dieses lange benützte Gottesdienstlokal war mit der Zeit zu eng und zu klein geworden und entsprach den Bedürfnissen der Gemeinde nicht mehr. Ein anderer Saal konnte nicht erlangt werden. Daher faßte die Gemeinde am 2. Februar 1891 den einstimmigen Beschluß, ein eigenes Gotteshaus zu bauen.

II.
Ein für die Kirche sehr günstiger Bauplatz an der Karlstraße wurde im Frühjahr 1891 von Herrn Kaufmann Josef Erlanger um 1 700 M gekauft. Der Plan zu einer einfachen kleinen Kirche war von Herrn Werkmeister Franz H. Mußotter, hier, mit einem Kostenvoranschlag von 15 000 M entworfen und vorläufig genehmigt worden. Auf Grund desselben wurden noch im September 1892 die Fundamente gelegt. Inzwischen waren bei der Revision die Pläne von dem Techniker der Oberkirchenbehörde Herrn Baurat Stahl umgearbeitet worden. Nach diesem neuen Plan wurde die Kirche in romanischem Stil um den Kostenvoranschlag von 28000 M unter der Leitung des Herrn Oberamtsbaumeisters Kessel von Riedlingen erbaut. Im Herbst 1893 wurden die Arbeiten vergeben, im Frühjahr 1894 sofort mit der Ausführung begonnen und im Lauf des Sommers der Bau ohne jeglichen Unfall glücklich vollendet.

III.
Zu den Kosten des Bauplatzes hatten einige vermöglichen Gemeindeglieder größere Gaben zusammengelegt, sodaß die Kaufsumme gleich entrichtet werden konnte. Zu den Baukosten selbst hat der Württ. Gustav-Adolf-Verein größere Beiträge verwilligt und die Oberkirchenbehörde einige Posten übernommen und auch eine Landeskirchenkollekte in Aussicht gestellt. Die Gemeinde selbst trägt in monatlichen Gaben ihrer Glieder von 20 Pfennig bis 6 M bei. Mit Vollendung der Kirche ist die Hälfte der Kosten gedeckt. Zu der Tilgung des Restes wird eine Schuld aufgenommen, welche innerhalb 25 Jahren mit Hilfe des Gustav-Adolf-Vereins abgetragen werden soll.

IV.
Auf Donnerstag siebenundzwanzigsten September des Jahres ist die Einweihung der neuen Kirche festgesetzt. Die Feier geschieht nach dem beiliegenden Programm unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde selbst sowie der Geistlichen und Vertreter der evang. Gemeinden der Diaspora. Auch die Stadtgemeinde Buchau nimmt unter Führung ihrer beiden Instanzen, des kath. Herrn Stadtpfarrers Graf und des Herrn Stadtschultheißen Schabet an dem Fest der evang. Gemeinde lebendigen Anteil.

Gott der Herr, welcher seither zu dem Bau Gnade gegeben, die ev. Gemeinde Buchau die Unterstützung der kirchlichen und staatlichen Behörden und die Hilfe der Glaubensgenossen hat finden lassen, und während des Baus selbst gnädig allen Unfall abgewendet hat, nehme das neue Gotteshaus in seinen besonderen mächtigen Schutz und verleihe in Gnaden, daß in der Kirche Gottes Wort lauter und lebendig verkündet und auf dem Altar die heiligen Sakramente recht verwaltet werden und eine christliche Gemeinde aus und ein gehe, die Gottes Volk und seinem heiligen Reich gehört!


Das walte Gott!


(Siegel der Stadtgemeinde Buchau)


Schabet, Stadtschultheiß
Der Techniker Kessel, Oberamtsbaumeister


(Siegel des Evang. Kirchengemeinderats Buchau)


Evang. Kirchengemeinderat und Baukommission

Pfarrer Zeller - Klenk - B. Bauer - Eppler - Schlagenhauf - Sindlinger - Janisch - Nau